Pflegebeitrag wird erneut steigen müssen

Die meisten werden schon festgestellt haben, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung ab Januar 2019 um einen halben Prozentpunkt gestiegen sind. Damit teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt einen Pflegebeitrag von immerhin 3,05 Prozent des Bruttogehalts. Wer nun glaubt, damit habe sich dieses Thema fürs Erste erledigt, der irrt sich leider.

Das Zusammenspiel aus einer stetig wachsenden Zahl von Pflegebedürftigen mit der sinkenden Zahl an Kindern und Arbeitnehmern werden die Pflegekasse auch in näherer Zukunft vor immer neue Finanzierungsprobleme stellen, die in erneuten Anhebungen des Pflegebeitrags münden dürften. So zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, dass der Pflegebeitrag spätestens in sechs Jahren wieder steigen wird. Eine Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos geht sogar von einer Steigerung des Pflegebeitrags auf 4,25 Prozent bis 2045 aus, um die Finanzierung zu gewährleisten.

Dabei muss die Studie natürlich mit extrapolierten, also hypothetischen Zahlen arbeiten, die sich aus der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung ebenso speisen wie aus den kulturellen Gegebenheiten, die sich insbesondere in Bezug auf die Versorgung pflegebedürftiger Personen deutlich von früheren Zeiten unterscheidet. Hinzu kommt zudem die stetig wachsende Lebenserwartung, die natürlich auch in einem erhöhten Aufkommen an pflegebedürftigen Personen resultiert.

Die Studie von Prognos geht dabei von rund fünf Millionen Personen aus, die im Jahr 2045 mit Pflege versorgt werden müssen. Zum Vergleich: 2017 lag diese Zahl bei 3,3 Millionen. Nimmt man die sinkende Zahl an Kindern und die übliche Erwerbstätigkeit von Frauen hinzu, die zu einem geringeren Prozentsatz von in häuslichen oder familiärer Pflege versorgter Personen führen dürfte, würden der Studie zufolge 2045 rund 28% der pflegebedürftigen Personen in Altersheimen untergebracht würden. Nun sind diese Zahlen natürlich spekulativ, fußen aber auf gesunden mathematischen Modellen. Eines ist aber – wie auch immer man diese Studien bewerten mag – heute schon klar: der Personalbedarf im Bereich Pflegeberufe, welcher schon heute unter drastischen Engpässen und Fachkräftemangel leidet, wird sicher weiter steigen.

Lohnkosten und Jobattraktivität: die Weichen für die Zukunft

Wie in allen Sparten mit hohem Bedarf an Personal sind es vor allem die Lohnkosten, welche die Pflegekasse belasten. Dabei sieht sich Gesundheitsminister Spahn schon heute einem drastischen Mangel an qualifizierten Fachkräften gegenüber. Der Grund liegt natürlich auch in den eher bescheidenen Gehältern, die man als Pfleger erwarten darf und um deren – wahrscheinlich üppige – Erhöhung man auf Dauer kaum herumkommen wird, wenn man die Versorgung mir Pflegekräften zumindest auf heutigem Niveau weiter sicherstellen will. Hinzu kommt das Wirrwarr aus Tarifen je nach Träger. Die Bundesregierung hat daher ohnehin schon mehr Geld für PflegerInnen bereit gestellt, 2018 sollten so zum Beispiel 13.000 Stellen geschaffen werden.

Auf einem angespannten Arbeitsmarkt, an dem nach Aussagen von Industrie und Handwerk an allen Ecken und Enden qualifizierte Arbeitnehmer fehlen, sind diese aber bei der momentanen Gehaltsstrukturierung und dem eher geringen sozialen Prestige, mit dem der Beruf des Pflegers oder der Pflegerin einhergeht allerdings schwer zu besetzen. Um immerhin die Gehaltsstruktur anzugleichen arbeitet der Gesundheitsminister mit den vielen Akteuren – Verbände, Kirchen, Gewerkschaften etc. – an einem flächendeckenden Tarifvertrag. Hier kann man davon ausgehen, dass dies auch in neuerlich erhöhten Kosten münden wird. Die Studie der Bertelsmann Stiftung, die eingehend schon angesprochen wurde, geht sogar soweit, die Versorgungssicherheit in der Pflege in Frage zu stellen, wenn sich das Finanzierungsmodell nicht grundsätzlich ändert und zum Beispiel Steuergelder zugeschossen werden.

Schon heute fließen Gelder aus den Töpfen der Krankenkassen und bezuschussen sozusagen die Pflegekasse, deren Ausgaben sich im Jahr 2017 auf rund 38,5 Milliarden beliefen, ein gut doppelt so hohe Betrag, wie bei der Einführung des Pflegebeitrags und damit der Pflegekasse im Jahr 1995.

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Artikel: career-people.de
Artikelbild: AdobeStock

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